Maschinenfabrik Berthold Hermle AGMaschinenfabrik Berthold Hermle AG

Nachhaltigkeitsbericht

Nachhaltigkeitsbericht der Maschinenfabrik Bertold Hermle AG und des Konzerns 2020

(zusammengefasste nichtfinanzielle Erklärung gemäß §§ 289b und 315b HGB)

Der vorliegende Nachhaltigkeitsbericht stellt die zusammengefasste nichtfinanzielle Erklärung gemäß §§ 289b und 315b HGB des Hermle-Konzerns und der Maschinenfabrik Berthold Hermle AG dar. Er ergänzt den Konzernlagebericht und Lagebericht der Maschinenfabrik Berthold Hermle AG 2020, der Teil des Geschäftsberichts ist und auf der Website
www.hermle.de abgerufen werden kann.

Die nichtfinanzielle Erklärung informiert über wesentliche Faktoren in den fünf Feldern Umweltbelange, Arbeitnehmerbelange, Sozialbelange, Achtung der Menschenrechte und Bekämpfung von Korruption. Sie beschreibt für jeden Bereich das verfolgte Konzept, entsprechende Maßnahmen und Ergebnisse sowie mögliche Risiken.

Wesentliche Nachhaltigkeitskriterien

Die wesentlichen Aspekte für die Berichterstattung über Nachhaltigkeit (Corporate Social Responsibility, CSR) von Hermle bestimmen sich in erster Linie aus ihrer Bedeutung für die Sicherung der Kundenzufriedenheit und eines nachhaltigen Erfolgs des Unternehmens. Das Hauptaugenmerk liegt auf den direkten Auswirkungen unserer Tätigkeit auf Geschäftspartner, Mitarbeiter und das unmittelbare Unternehmensumfeld sowie einem effizienten, nachhaltigen Geschäftsbetrieb. Damit verfolgen wir ein eigenes, mittelstandstaugliches Konzept für die CSR-Berichterstattung. An einem externen Rahmenwerk orientieren wir uns nicht, da deren Umsetzung in Unternehmen unserer Größe zu einem unangemessen großen, wirtschaftlich nicht begründbaren Aufwand führen würde.

Management und Compliance System sowie Einbindung des Vorstands

Der Vorstand der Hermle AG beschäftigt sich kontinuierlich mit den wesentlichen Nachhaltigkeitsthemen, die mit dem operativen Geschäft in Zusammenhang stehen, unter anderem während der regelmäßigen Vorstandssitzungen. Unser Management und Compliance System für Nachhaltigkeit beinhaltet die jährliche Überprüfung der in die CSR-Berichterstattung aufgenommenen Aspekte durch den Vorstand. Sofern Kennzahlen für bestimmte Zielgrößen festgelegt sind, können diese jährlich angepasst werden, wenn das für das Unternehmen förderlich ist. Ferner wird überwacht, ob das in einem Aspekt erreichte Niveau (Performance Level) mindestens gehalten wird - je nach Bereich jährlich, monatlich oder mittels Stichproben. Werden Ziele verfehlt, ermitteln wir die Ursachen und versuchen, Hindernisse für die Zielerreichung zu beseitigen. Für Maßnahmen, die in unser Internes Kontrollsystem (IKS) integriert sind, finden überwiegend jährlich stichprobenhafte Überprüfungen sowie alle zwei bis drei Jahre Nachschulungen der Beschäftigten statt. Diese Art des Management und Compliance Systems ist aus unserer Sicht unter Kosten-/Nutzen-Aspekten derzeit ausreichend.

Geschäftsmodell

Die Maschinenfabrik Berthold Hermle AG ist einer der weltweit führenden Hersteller hochwertiger Fräsmaschinen, Bearbeitungszentren und zugehöriger Automatisierungskomponenten sowie der Anbieter mit dem höchsten Qualitäts- und Produktivitätsanspruch. Wir beliefern Kunden aus Hightech-Branchen im In- und Ausland, beispielsweise Unternehmen aus dem Werkzeug- und Formenbau, der Medizintechnik, optischen Industrie, Luftfahrt, Energietechnik, Automobilindustrie und dem Motorsport sowie deren Zulieferer.

Der Hermle-Konzern setzt sich aus der Muttergesellschaft Hermle AG und verschiedenen in- und ausländischen Tochterunternehmen, Stützpunkten und Repräsentanzen zusammen. 2020 wurde eine neue Vertriebs- und Servicegesellschaft in Thailand gegründet. Darüber hinaus hat sich die Unternehmensstruktur im Berichtszeitraum nicht verändert.

Umweltbelange

Konzept:
Als weltweit tätiger Produzent von Werkzeugmaschinen stellen wir der Gesellschaft und unseren Kunden sichere, gesundheitlich unbedenkliche Produkte bereit und sorgen für einen effizienten Ressourceneinsatz. Sowohl bei unseren Maschinen als auch in der Fertigung achten wir traditionell auf hohe Energieeffizienz und Ressourcenschonung. Hiervon profitieren unsere Kunden ebenso wie wir selbst.

Konkrete Maßnahmen und Ergebnisse:
Die Produkte und Fertigungsprozesse sowie die verbauten Komponenten sind bei
Hermle generell CE-konform, emissions- und risikoarm sowie umweltverträglich. Durch den Einsatz möglichst recyclingfähiger Werkstoffe, die sichere Lagerung und fachgerechte Entsorgung von Gefahrstoffen gemäß entsprechenden Verordnungen sowie die Herstellung sehr langlebiger Produkte tragen wir dazu bei, Ressourcen zu schonen. Hermle-Maschinen sind mit äußerst leistungsfähigen und effizienten Antrieben, Systemen zur Energierückspeisung und einem verbrauchssenkenden Stand-By-Modus ausgestattet sowie im Bereich bewegter Massen möglichst leicht konstruiert und dadurch energiesparend. Zusätzlich beobachten wir unsere Produkte nach der Auslieferung an die Kunden permanent hinsichtlich möglicher Gefahren, die aus ihrem Betrieb entstehen könnten.

Um den CO2-Ausstoß zu verringern, arbeiten wir überwiegend mit lokalen Lieferanten zusammen, fertigen in nur einer Region und setzen für den Versand soweit wie möglich auf CO2-neutrale Transportlogistiker. Unser zweiter Produktionsstandort Zimmern ob Rottweil, in dem wir Mineralgussbetten und -komponenten sowie seit dem vierten Quartal 2020 auch Blechteile herstellen, liegt im Nachbarlandkreis der Zentrale und nahe an Zulieferbetrieben sowie der Autobahn, wodurch Transportwege und CO2-Ausstoß ebenfalls minimiert werden. Zudem ist unsere gesamte eigene Fahrzeugflotte mit moderner, schadstoffarmer Technologie ausgestattet. Gabelstapler und Flurfahrzeuge werden komplett elektrisch betrieben und innerbetriebliche Transportaufträge wegeoptimiert abgearbeitet.

Bei Erweiterungs- und Neubaumaßnahmen achten wir auf einen geringen Flächenverbrauch durch vertikale Bauweise, hohe Energieeffizienz, z. B. durch den konsequenten Einsatz von LED-Technik für die Beleuchtung, sowie Wärme- und Lärmschutz durch eine gute Isolation. Am Standort Zimmern haben wir 2020 den Bau einer neuen Produktionshalle für die Blechfertigung sowie eines Bürotrakts abgeschlossen, der diese Kriterien erfüllt. Das neue Gebäude wurde an das bereits bestehende Wärmenetz angeschlossen, das wir um eine zweite, hocheffiziente Wärmepumpe erweitert haben, die sowohl zur Kühlung als auch zum Heizen der Produktionsgebäude eingesetzt wird. Außerdem haben wir einen Wärmetauscher installiert, um die entstehende Abwärme wieder zurückführen zu können, und durch die Erweiterung des internen 20kV-Netzes Leitungswege und Verluste verringert. Darüber hinaus wurden Vorbereitungen für die Installation einer Photovoltaikanlage getroffen. Außenliegende Jalousien tragen zusätzlich zur Temperaturregulierung bei. Der Umzug der Blechfertigung von Gosheim nach Zimmern wirkt sich ferner positiv auf den CO2-Ausstoß aus, da der neue Standort wesentlich näher an unserem Hauptlieferanten liegt und bis zur Anlieferung des lackierten, einbaufertigen Blechs in unserer Montage per saldo Transportwege reduziert werden.

Unsere bestehenden Gebäude werden ebenfalls sukzessive mit neuester Beleuchtungs- und Isolationstechnologie ausgestattet. Für die Heizung und Klimatisierung verschiedener Fertigungshallen am Firmensitz Gosheim nutzen wir zudem energieeffiziente Blockheizkraftwerke und Absorptionskälteanlagen.

Die Erkenntnisse aus den bisherigen Energieaudits flossen in die Entwicklung eines neuen Energiekonzepts ein. Daraus abgeleitet wurden im Berichtsjahr zusätzliche Maßnahmen umgesetzt, durch die wir unseren Verbrauch künftig weiter reduzieren und Bedarfsspitzen glätten. Bereits im Vorjahr haben wir am Standort Gosheim beispielsweise verschiedene Trafostationen erneuert bzw. modernisiert, um den Wirkungsgrad zu verbessern und zugleich den CO2-Ausstoß zu senken, indem für ihren Betrieb statt Mineral- nun Pflanzenöl eingesetzt wird. Weitere Maßnahmen waren der Einbau von Schnelllauftoren, um Wärmeverluste zu verringern, der Austausch von älteren Heizungspumpen durch hocheffiziente moderne Anlagen und die Umstellung weiterer Bereiche auf LED-Beleuchtung.

Die Zufahrten zu unseren Standorten gestalten wir möglichst direkt, um die Verkehrsbelastung für die Orte zu verringern, und lenken den Lieferverkehr konsequent auf die Umgehungsstraßen. Seit 2020 nutzen wir eine neue Zufahrt zu unserem größten Mitarbeiterparkplatz am Firmengelände in Gosheim. Diese führt ausschließlich durch Gewerbegebiet und trägt somit dazu bei, den Durchgangsverkehr im Ort und in Wohngebieten zu verringern.

Risiken:
Um Umweltrisiken zu vermeiden, verfolgen wir einen präventiven Ansatz. Unter anderem wird die Compliance durch die Abteilung technisches Recht überwacht. Damit sorgen wir beispielsweise für die Einhaltung von Schutznormen, EMV-Prüfungen zur Feststellung elek­tromagnetischer Abstrahlwirkungen und technische Risikoanalysen. Umweltrisiken sowie daraus resultierende Regressansprüche und Imageschäden sind bei Hermle daher gering.

Arbeitnehmerbelange

Konzept:
Die mehr als 1.300 gut qualifizierten Beschäftigten des Hermle-Konzerns sind ein wesentlicher Erfolgsfaktor für das Unternehmen. Deshalb messen wir den Belangen und Interessen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine hohe Bedeutung bei. Attraktive, sichere Arbeitsplätze und -bedingungen, hohe Eigenverantwortung in leistungsorientierten Teams sowie regelmäßige Fortbildung sind aus unserer Sicht wichtige Voraussetzungen für eine motivierte, loyale, erfahrene und produktive Belegschaft sowie den Erfolg unseres Unternehmens auf dem Arbeitsmarkt. Unser Personalkonzept ist langfristig ausgelegt und zielt darauf ab, Stellen auch in schwierigen Phasen zu erhalten. Um die besten Arbeitskräfte für das Hermle-Team zu gewinnen und möglichst vielfältige Fähigkeiten und Erfahrungen in das Unternehmen einzubringen, fördern wir Diversität und Toleranz hinsichtlich Geschlecht, Nationalität und Alter sowie gegenüber Menschen mit Behinderung.

Konkrete Maßnahmen und Ergebnisse:
Durch eine möglichst interessante, verantwortungsvolle Aufgabengestaltung und die Arbeit in effizienten Teams, die sich selbst organisieren, trägt Hermle dazu bei, die hohe Leistungsbereitschaft und Identifikation der Beschäftigten mit dem Unternehmen zu sichern. Flache Hierarchien und eine offene Kommunikationskultur sorgen im gesamten Konzern für einen regen Austausch der Belegschaft untereinander sowie mit der Unternehmensleitung. Circa 75 % der Beschäftigten im Konzern sind durch den Betriebsrat repräsentiert, der konstruktiv und vertrauensvoll mit der Unternehmensleitung zusammenarbeitet.

Arbeitsplatzsicherheit und präventiver Gesundheitsschutz zur Unfallvermeidung werden bei Hermle ebenfalls großgeschrieben. Ein Schwerpunkt der Aktivitäten lag 2020 auf präventiven Maßnahmen zum Schutz vor Corona-Infektionen. So haben wir die kurzfristig umgesetzte, dreiwöchige Betriebsruhe im Frühjahr für die Ausarbeitung von Hygiene- und Schutzkonzepten sowie organisatorischer Umstellungen genutzt. Dazu gehörten die Einrichtung getrennter Gruppen und Schichten innerhalb von Abteilungen und Funktionen, die sich nicht begegnen, versetzte Arbeitszeiten sowie die Verminderung der Präsenz im Unternehmen durch Erledigung von dafür geeigneten Tätigkeiten im Homeoffice, auch wenn hierdurch die Effizienz und Schnelligkeit vereinzelt beeinträchtigt wurden.

Zur grundsätzlichen Gewährleistung von Arbeitsplatzsicherheit und Gesundheitsschutz beschäftigen wir einen eigenen Sicherheitsingenieur sowie einen arbeitsmedizinischen Dienst und halten alle einschlägigen Arbeitsplatzvorschriften ein. Auch Lärmschutz, eine gute Belüftung, Sauberkeit und Ergonomie, zum Beispiel durch Manipulatoren, Hebevorrichtungen oder Vormontagen, gehören bei Hermle zu einem gesunden, sicheren Arbeitsplatz. Gemeinsam mit einem externen Spezialisten haben wir die wesentlichen Fertigungsbereiche hinsichtlich ergonomischer Gestaltung und Verbesserungspotenzialen untersucht. Um sicherzustellen, dass die daraus abgeleiteten Maßnahmen und individuell geeigneten praktischen Übungen zur Vermeidung von Muskel-Skelett-Erkrankungen nachhaltig umgesetzt werden, wurden sogenannte Ergo-Scouts ausgebildet, die ihre Kolleginnen und Kollegen dabei unterstützen und motivieren. Den Großteil der Aktivitäten zur Förderung der Gesundheit unserer Beschäftigten wie organisierte Obst-, Tee- oder Wassertage sowie Rabatt-Aktionen für Fitnessstudio- und Schwimmbadbesuche mussten wir im laufenden Jahr coronabedingt reduzieren.

Die Zahl der Arbeitsunfälle bewegt sich seit Jahren auf einem niedrigen Niveau. Im vergangenen Jahr gab es in der Hermle AG 20 meldepflichtige Unfälle (Vj. 20), die überwiegend als leicht einzustufen waren.

Mit verschiedenen Maßnahmen tragen wir kontinuierlich zu einer höheren Attraktivität der Arbeitsplätze bei Hermle bei. Durch den Bau der neuen Blechfertigung am Standort Zimmern haben sich die Umgebungsbedingungen in diesem Bereich erheblich verbessert. Die hochmoderne Produktionshalle ist deutlich höher und besser belüftet, sodass unsere Beschäftigten dort ein ruhigeres und kühleres Arbeitsumfeld vorfinden.

Das große Know-how des Hermle-Teams, das häufig auf einer Berufsausbildung im Unternehmen basiert, wird durch regelmäßige Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen kontinuierlich ausgebaut. 2020 absolvierten unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter trotz der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie sowie Kurzarbeit rund 323 Schulungstage mit überwiegend fachspezifischen Inhalten (Vj. 775). Ein Schwerpunkt lag im Berichtsjahr auf Veranstaltungen zum Thema Produkttechnologie insbesondere für neu hinzugekommene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Service. Weitere Schulungen fanden zu IT-Sicherheit und Datenschutz statt, die überwiegend online durchgeführt wurden. Auch in den Bereichen Elektrosicherheit und Umgang mit Gefahrstoffen gab es regelmäßige Fortbildungen.

Zu den finanziellen Anreizsystemen, die bei uns zum Einsatz kommen, zählen eine Erfolgsbeteiligung für die Beschäftigten der Hermle AG, sofern sich das Unternehmen gut entwickelt, sowie Leistungszulagen auf den Grundlohn. Außerdem gibt es ein Prämiensystem für Verbesserungsvorschläge. Die zahlreichen Anregungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden 2020 zu über 80 % umgesetzt. Verbesserungsvorschläge werden mit Sachgeschenken oder Geldprämien von bis zu 10 % der im Jahr realisierten Einsparungen honoriert.

Um Arbeitsplätze auch in schwierigen Zeiten sichern und zugleich flexibel auf Nachfragespitzen reagieren zu können, hat Hermle bereits im Jahr 2002 ein innovatives Arbeitszeitsystem installiert. Es ist unter dem Begriff „Konzept des atmenden Unternehmens“ bekannt und beinhaltet eine sehr effiziente Gleitzeitregelung. In den vergangenen auslastungsstarken Jahren wurde damit eine hohe Zahl an Überstunden aufgebaut. Durch den Abbau der angesparten Zeitkonten waren wir in der Lage, den bereits 2019 beginnenden deutlichen Konjunkturabschwung, der durch die Corona-Epidemie seit März 2020 massiv verstärkt wurde, bis Ende April 2020 durch reduzierte Wochenarbeitszeiten und produktionsfreie Tage bei unveränderter Zahlung der ungekürzten Grundlöhne zu bewältigen. Beginnend mit Mai 2020 mussten dann zunächst lediglich ca. 50 % der Belegschaft in die Kurzarbeit eintreten.

Wir bewältigen den Konjunkturabschwung und die Corona-Krise inzwischen auch nach deutlich über einem Jahr ohne betriebsbedingte Kündigungen, haben unverändert Auszubildende mit bestandenem Abschluss übernommen und neue Auszubildende eingestellt. Um die Stellenzahl allmählich und verträglich dem Bedarf anzupassen und unseren Beschäftigten gleichzeitig durch Zuordnung neuer Tätigkeiten berufliche Entwicklungsmöglichkeiten zu eröffnen, nutzen wir derzeit die bestehende natürliche Fluktuation.

Informationen zum aktuellen Stand der Gleitzeitkonten und der Prämie für 2020 enthält das Mitarbeiterkapitel im Konzernlagebericht. Darin sind auch unsere Aktivitäten zur Erhöhung der Diversität in der Belegschaft beschrieben.

Risiken:
Risiken im Bereich Arbeitnehmerbelange bestehen theoretisch durch die Missachtung von Vorschriften und entsprechende Strafen oder Schadenersatzansprüche. Hinzu kommt der mögliche Verlust des Images als attraktiver Arbeitgeber und damit das Risiko, freie Stellen nicht optimal besetzen zu können. Durch das große Fachwissen und die hohe Motivation unserer Beschäftigten sowie unsere intensiven Bemühungen, die gute Reputation von Hermle als Arbeitgeber zu sichern, sind derartige Risiken insgesamt als gering einzustufen.

Sozialbelange

Konzept:
Hermle ist ein wichtiger Arbeitgeber und Steuerzahler in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg und engagiert s ich für den Standort Deutschland. Wir leisten unseren Beitrag durch die nachhaltige Sicherung des Unternehmens und seiner Ertragskraft, eine hohe Ausbildungsquote, die Zusammenarbeit mit lokalen Ausbildungseinrichtungen und die Unterstützung verschiedener sozialer Initiativen über die Hildegard-und-Katharina-Hermle-Stiftung.

Maßnahmen und Ergebnisse:
Von den 1.304 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die am 31. Dezember 2020 bei Hermle konzernweit aktiv tätig waren, beschäftigten wir die überwiegende Mehrheit – 1.005  Personen – am Firmensitz in Gosheim oder am neuen Standort Zimmern im Nachbarlandkreis Rottweil. Insgesamt arbeiteten ähnlich wie im Vorjahr durchschnittlich ca. 83 % der Belegschaft in Deutschland und 13 % im Ausland. Durch unsere auf die langfristige Sicherung des Unternehmens ausgelegte Geschäftspolitik und unser klares Bekenntnis zum Standort Deutschland wollen wir möglichst viele Arbeitsplätze im Inland und insbesondere in unserer Region sichern.

Auch durch die Beteiligung an der Arbeit von Fach- und Branchenverbänden trägt Hermle indirekt zur Standortsicherung bei. Unter anderem sind wir Mitglied im VDMA (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau), VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken) und WVIB (Wirtschaftsverband Industrieller Unternehmen Baden).

Hermle engagiert sich überdurchschnittlich für Nachwuchskräfte. Wir nehmen unsere Verantwortung in der Region wahr, indem wir jungen Menschen interessante Ausbildungsmöglichkeiten bieten, und beugen so zugleich dem zunehmenden Fachkräftemangel in Deutschland vor. Ende 2020 absolvierten 112 junge Menschen eine praxisorientierte Ausbildung in der Hermle AG (Vj. 100), das entsprach einer Quote von 10,7 % (Vj. 9,5 %). Die Nachwuchskräfte erlernen entweder im Rahmen einer klassischen Ausbildung einen modernen, zukunftsorientierten Beruf, oder leisten als Studierende an Dualen Hochschulen ihr Praktikum bei uns im Unternehmen. Dabei wird ihnen frühzeitig nahegebracht, ausgewählte Projekte eigenverantwortlich in Teams zu bearbeiten und übergreifend zu denken. Derzeit bieten wir sieben verschiedene Ausbildungsgänge im gewerblichen und kaufmännischen Bereich an. Seit September 2019 lernen zwei Nachwuchskräfte im 2018 eingeführten Berufsbild des IT-Systemelektronikers. Zudem gibt es für unsere Industriemechaniker seit diesem Jahr die Möglichkeit, eine Zusatzqualifikation im Bereich Elektrotechnik mit IHK-Abschluss zu erwerben. Studierende können bei uns ihr Praktikum für sechs unterschiedliche technische und betriebswirtschaftliche Studienfächer absolvieren. Im Berichtsjahr wurde das Angebot um das Industriestudium Mechatronik und digitale Produktion mit integrierter Ausbildung zum Mechatroniker weiter ausgebaut. Betreut werden die jungen Menschen von sieben hauptberuflichen Ausbildern. Hinzu kommen rund 140 Ausbildungsbeauftragte aus allen Abteilungen.

Mit allen Haupt-, Real- und Berufsschulen, den Gymnasien sowie verschiedenen Hochschulen in unserer Region arbeiten wir eng zusammen. Mehrere Berufs- und Hochschulen sind mit Hermle-Maschinen ausgestattet. Schüler und Studierende können Hermle als potenziellen späteren Arbeitgeber bereits im Rahmen von Fach- und Seminararbeiten kennenlernen. Für Schüler bieten wir zudem Betriebsführungen und TechDays zur Orientierung. Diese wurden 2020 aufgrund der eingeschränkten Besuchsmöglichkeiten mittels moderner Online-Technologien durchgeführt und stießen auf hohes Interesse bei Schülern und deren Eltern. Mehr über Hermle erfahren können sie darüber hinaus bei Ausbildungsmessen, die im vergangenen Jahr ebenfalls online stattfanden. Dabei stellten unsere Nachwuchskräfte und die Fachausbilder das Unternehmen und seine Berufsmöglichkeiten in Kurz-Videos und übersichtlichen Präsentationen vor.

Über die Hildegard-und-Katharina-Hermle-Stiftung, die sich aus Dividendenausschüttungen der Hermle AG finanziert, wird eine Vielzahl sozialer Projekte in unserer Region gefördert. Insgesamt gab die Organisation im Jahr 2020 gemäß ihrem Stiftungszweck rund 3,2 Mio. Euro für die Kinder-, Jugend- und Altenhilfe sowie für das Wohlfahrtswesen in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg aus.

Die beiden bedeutendsten Einzelspenden von jeweils 1 Mio. Euro erhielten wie im Vorjahr die Stiftung St. Franziskus Heiligenbronn, deren Sporthallen-Neubau, der speziell auf die Anforderungen junger Menschen mit Hör-, Seh- oder Mehrfachbehinderung ausgelegt ist, weiterhin unterstützt wurde, sowie die Nachsorgeeinrichtung Katharinenhöhe für herz- und krebskranke Kinder zur Errichtung eines neuen Physiotherapiezentrums. Eine Großspende von 500.000 Euro ging außerdem an das Lebenshaus Trossingen für den Umbau des historischen Güterbahnhofs in Trossingen. Dieser soll künftig als Feinkostladen „Nudelhaus“ der gemeinnützigen Organisation genutzt werden, der Menschen mit psychischen und/oder sozialen Schwierigkeiten in erwerbsfähige Tätigkeiten verhilft.

Darüber hinaus förderte die Stiftung unter anderem die Schwarzwald-Baar-Kreis-Kontaktstelle des psychosozialen Zentrums Refugio für traumatisierte Flüchtlinge, den Bunten Kreis - Leben Geben, eine Nachsorgeeinrichtung für chronisch kranke Kinder, Jugendliche und ihre Familien, sowie die Fachstelle Sucht, den Familienentlastenden Dienst, das Frauenhaus und den Kinderschutzbund Tuttlingen, das Regionale Bündnis für Arbeit oder die Diakonie der Kreisstelle Tuttlingen. Auch zahlreiche Fördervereine von Schulen aus der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg wurden wieder unterstützt.

Besonders großes Engagement für einen guten Zweck zeigten 2020 außerdem erneut unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wie in den Vorjahren nahm ein vielköpfiges Hermle-Team am Schwarzwald-Bike-Marathon teil, dessen Startgeld teilweise an die Rehabilitationsklinik Katharinenhöhe für krebskranke Kinder geht. Zusätzlich spendete die Hermle-Stiftung wieder für jeden vom Hermle-Team gefahrenen Kilometer einen festen Betrag an die Klinik, sodass insgesamt rund 237.000 Euro zusammenkamen.

Darüber hinaus sind viele Hermle-Beschäftige ehrenamtlich tätig, beispielsweise bei freiwilligen Feuerwehren, THW oder Bergwacht. Hermle unterstützt diese Aktivitäten und wurde dafür 2019 vom Innenministerium Baden-Württemberg als ehrenamtsfreundlicher Arbeitgeber ausgezeichnet.

Risiken:
Im Bereich Sozialbelange besteht für Hermle kein direktes Risiko. Unser Engagement stärkt vielmehr das positive Image als verantwortungsbewusster Arbeitgeber, vorbildlicher Ausbildungsbetrieb und für die Region wichtiges Unternehmen.

Achtung der Menschenrechte

Konzept:
Die Einhaltung der Menschenrechte ist für Hermle selbstverständlich – sowohl in unserem Unternehmen selbst als auch in unserem beeinflussbaren Umfeld. Gleiches gilt für die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben - beispielsweise in Bezug auf Konfliktmaterialien. Unsere Geschäftstätigkeit richten wir entsprechend aus.

Maßnahmen und Ergebnisse:
Der Hermle-Konzern wählt seine Lieferanten sehr sorgfältig aus und bezieht ausschließlich Material von seriösen Unternehmen aus der Europäischen Union und der Schweiz, also aus Ländern, in denen die Einhaltung der Menschenrechte gesetzlich vorgeschrieben ist und überwacht wird. Wir kaufen keine Teile von Unternehmen, die bekanntermaßen zweifelhafte Sublieferanten beauftragen. Auf die unseren Lieferanten vorgelagerten Produktionsstufen, beispielsweise den Rohstoffabbau in Entwicklungsländern, haben wir aufgrund unseres geringen Marktgewichts allerdings keine direkte Einflussmöglichkeit und können die jeweilige Situation vor Ort realistischerweise nicht überprüfen. Unsere Zuliefermaterialien haben wir hinsichtlich des damit verbundenen Risikos der Verletzung von Menschenrechten beurteilt. Im Falle von Zulieferteilen mit vermutetem erhöhten Risikograd, z.B. aus einer signifikanten Beimengung oder einem signifikanten Anteil von Konfliktmaterial, erfragen wir, ob Lieferanten Rohmineralien direkt aus dem außereuropäischen Ausland importieren und fordern in diesem Falle eine Verpflichtungserklärung zur Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften. Auch streben wir die Vereinbarung eines Sonderkündigungsrechts der Lieferverträge im Falle von Gesetzesverstößen an und werden uns bei Verstößen um Alternativen bemühen.

Risiken:
Das Risiko von Menschenrechtsverletzungen durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Hermle oder unsere Lieferanten ist aufgrund der entsprechenden Gesetzesnormen in Deutschland und Europa, unseren ausschließlichen direkten Einkaufsregionen, praktisch nicht relevant. Wir beziehen Konfliktmineralien wie Gold, Tantal, Wolfram oder Zink weder in Reinform noch direkt aus dem außereuropäischen Ausland. Diese Stoffe können jedoch in Form von geringen Beimischung und Kleinstmengen in von uns aus der EU und der Schweiz bezogenen verarbeiteten Teilen und Vorprodukten enthalten sein. Es ist aufgrund der mehrstufigen und bei diesen Materialien globalen Lieferketten nicht mit absoluter Sicherheit auszuschließen, dass solche Stoffe aus Konfliktregionen stammen. Eine systematische, mehrstufige Rückverfolgung unserer gesamten Zulieferkette hinsichtlich der zuverlässigen Einhaltung der Menschenrechte ist aufgrund unserer Möglichkeiten und unseres geringen Marktgewichts nicht realisierbar.

Bekämpfung von Korruption

Konzept:
Hermle verpflichtet alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu regelkonformem Verhalten und fördert die Bekämpfung von Korruption. Wir lehnen Bestechung und Gesetzesbruch kategorisch ab, da sie nicht mit unserer Unternehmenskultur vereinbar sind und die Vertrauensbasis, die Zusammenarbeit sowie den Ruf aller Beteiligten nachhaltig schädigen.

Maßnahmen und Ergebnisse:
Um die Einhaltung der gesetzlichen und unternehmensspezifischen Vorschriften sicherzustellen, sind entsprechende Compliance-Regeln und -Prüfprozesse in unserem Internen Kontrollsystem enthalten, das in die Auftragsbearbeitung integriert ist. Hinzu kommt die nachträgliche Prüfung von Einzelfällen. Das Compliance-System umfasst die Kontrolle von Angeboten, Ein- und Ausgangsrechnungen, Rabatten, Provisionen und Gutschriften hinsichtlich ihrer Angemessenheit jeweils dem Grunde und der Höhe nach. Dabei befolgen wir grundsätzlich ein Vier-Augen-Prinzip. Die EU-Geldwäscherichtlinien setzt Hermle weiterhin um.

2020 fand erneut eine stichprobenhafte Untersuchung von einzelnen Vorgängen aufgrund besonderer Merkmale wie hoher Rabatte oder Provisionen statt, die seit dem Berichtsjahr jährlich erfolgt. Dadurch verleihen wir der großen Bedeutung, die wir regelkonformem Verhalten beimessen, zusätzliches Gewicht. Bei den Überprüfungen wurde 2020 keinerlei Fehlverhalten aufgedeckt.

Um unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Kunden- und Lieferantenkontakt für die Themen Korruption und Geldwäsche zu sensibilisieren, schulen wir sie über unternehmensspezifische und relevante gesetzliche Vorschriften sowie Sanktionen und lassen uns die Teilnahme quittieren. Die im Dreijahres-Turnus verpflichtende Wiederholungs-Schulung fand zuletzt Anfang 2019 statt.

Risiken:
Die Verletzung von Gesetzesnormen und Korruption bergen das Risiko von Schadenersatzforderungen, steuerlichen Sanktionen und des Ausschlusses von Ausschreibungsverfahren. Zudem führt Bestechung zu einer nachhaltigen Störung des Verhältnisses zu einem potenziell geschädigten Geschäftspartner sowie zu Rufschädigung im Markt und in der Öffentlichkeit. Durch die im Hermle-Konzern verankerte Unternehmenskultur und die beschriebenen Maßnahmen beugen wir diesen Risiken vor.

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